Nachhaltigkeit: Den Regulierungstrend verstehen

Da sich die Ansprüche von Kundinnen und Kunden zunehmend in Richtung grüner und nachhaltiger Produkte verschieben, werden Themen wie nachhaltige Finanzwirtschaft (Sustainable Finance) und Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility) immer relevanter für die Strategie von Finanzinstituten.

Die Schlüsselakteure in der Finanzindustrie erweitern ihre Angebote bezüglich nachhaltigen Finanzprodukten.

Jahr für Jahr übertreffen sich die Anzahl der ausgegebenen grünen Anleihen und Kredite. Immer mehr Institute verpflichten sich den Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren (Principles for Responsible Investment) und den Prinzipien für verantwortungsbewusstes Bankwesen (Principles for Responsible Banking)

Die Regulierungslandschaft

Hauptauslöser dieser Entwicklung sind die wachsenden regulatorischen Anforderungen.Gemäss Daten des Policy Outlook hat sich die Anzahl der Regulierungsmassnahmen bezüglich Sustainable Finance und Corporate Responsibility zwischen 2016 und 2019 verdreifacht. Ein vergleichbares Mass an regulatorischer Aktivität war laut dem Institute of International Finance nur in der Regulationswelle nach der globalen Finanzkrise von 2008 zu beobachten.

Zweifellos hat die Veröffentlichung des Aktionsplans der EU-Kommission: Finanzierung nachhaltigen Wachstums (EU-Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen) wesentlich zu dieser erhöhten Aufmerksamkeit beigetragen. Seit 2018 hat dieser EU-Aktionsplan Finanzregulatoren auf der ganzen Welt dazu inspiriert, ähnliche Regulierungsmassnahmen zu ergreifen.

Der EU-Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen hat zu den bisher weltweit komplexesten und übergreifendsten Regulierungsinitiativen in den Bereichen Sustainable Finance und Corporate Responsibility geführt. Die EU-Vorschriften zur nachhaltigen Finanzwirtschaft, besonders die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegung (Verordnung (EU) 2019/2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor), haben Auswirkungen auf alle wichtigen Rahmenwerke zur Regulierung der Finanzmärkte, wie MiFID II, IDD, and Solvency II.

Die EU Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen) hat sich auf Finanzinstitute und grosse Unternehmen ausgewirkt, da sie Änderungen an der EU-Richtlinie zur Nichtfinanzberichterstattung (NFRD) einführte.

Darüber hinaus fördert die Verordnung, die den Rahmen für die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die an Paris abgestimmten EU-Referenzwerte schafft, das Vertrauen in globale Standards – wie die der Taskforce für klimabezogene Finanzangaben (TCFD) des Financial Stability Board.

Was ist Sustainable Finance?

Sustainable Finance wird unterschiedlich erklärt. Die am geläufigste Definition kommt von der G20 Sustainable Finance Study Group:

Sustainable Finance kann im weiten Sinne als Finanzierung einschliesslich der damit zusammenhängenden institutionellen und marktbezogenen Vorkehrungen verstanden werden, die zur Realisierung eines starken, nachhaltigen, ausgewogenen und integrativen Wachstums beitragen, indem sie direkt und indirekt die Sustainable Development Goals (SDGs) unterstützen. Eine geeignetes Sustainable Finance Konzept kann zudem die Stabilität und Effizienz der Finanzmärkte verbessern, indem es sowohl Risiken als auch Marktversagen, wie zum Beispiel externe Effekte, angemessen berücksichtigt.

Was ist Corporate Responsibility?

Auch für die Corporate Responsibility von Unternehmen gibt es keine allgemeingültige Definition. 2011 schlug die EU-Kommission folgenden Wortlaut vor: Corporate Responsibility ist „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“. In anderen Worten:

Die Beachtung der geltenden Gesetzgebung und der Vereinbarungen zwischen Sozialpartnern ist eine Voraussetzung, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Um ihre Corporate Social Responsibility vollkommen wahrzunehmen, brauchen Unternehmen einen Prozess zur Integration sozialer, ökologischer, ethischer, Menschenrechts- und Konsumentenanliegen in ihre Geschäftstätigkeit und Kernstrategie. Als Ziele gelten:

  • die Maximierung der gemeinsamen Wertschöpfung für Eigentümer/Aktionäre sowie andere Interessengruppen und die Gesellschaft im Allgemeinen;
  • potenziell negative Auswirkungen identifizieren, verhindern und eindämmen

Unternehmerische Verantwortung

Themen zur Unternehmensverantwortung wie Umwelt- und Menschenrechte, Sorgfaltspflicht und Diversität stehen auch ganz oben auf der Regulierungsagenda.

Australien, Brasilien, Kalifornien und Grossbritannien haben zum Beispiel moderne Sklaverei-Gesetze eingeführt. Auch Frankreich hat ein Gesetz über die Sorgfaltspflicht in Umwelt- und Menschenrechtsfragen in Kraft gesetzt.

Deutschland und die Schweiz diskutieren momentan die Einführung ähnlicher Gesetze zur Sorgfaltspflicht, und die EU hat ähnliche Regelungen angekündigt.

Was bedeutet das für Sie?

Die regulatorischen Entwicklungen haben die Erwartungen im Markt verschoben. So ist sind Nachhaltigkeitsaspekten beim Investitionsprozess heute eine selbstverständlichen Voraussetzung für den Marktzugang.

Finanzinstitute müssen Nachhaltigkeitsrisiken und negative Auswirkungen erkennen und diese aktiv minimieren. Sie müssen mit komplexen Konzepten umgehen – basierend auf ESG-Daten, die nur selten die Anforderungen der Finanzvorschriften erfüllen.

ECOFACT unterstützt Sie bei der Priorisierung wichtiger Handlungsfelder. Wir wissen, wo und wie Sie eingreifen müssen, damit Ihr Unternehmen die regulatorischen Anforderungen bezüglich Sustainable Finance und Corporate Responsibility erfüllt.

Was sind Nachhaltigkeitsrisiken?

Die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegung im Finanzdienstleistungssektor definiert Nachhaltigkeitsrisiken so: Nachhaltigkeitsrisiken sind ökologische, soziale oder Governance (ESG)-Ereignisse oder Zustände, die, falls sie eintreten, eine tatsächliche oder potentielle negative Auswirkung auf den Wert der Anlage haben könnten.

Was sind Nachhaltigkeitsauswirkungen?

Ein Vorfall oder Zustand im Zusammenhang mit Umwelt-, Sozial- und Mitarbeiterangelegenheiten, der Achtung von Menschenrechten, der Korruptionsbekämpfung und der Bekämpfung von Bestechung, der, falls er eintritt, einen tatsächlichen oder potentiell wesentlichen negativen Einfluss auf den Wert der Anlage haben könnte.

Was sind nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen?

Nachteilige Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren sind die negativen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (d.h. Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Bestechungsbekämpfung), die sich aus Investitionen ergeben.

Beispielsweise können bestimmte Investitionen zur Verletzung der Rechte indigener Völker und/oder zur Aufrechterhaltung diskriminierender Praktiken innerhalb von Unternehmensstrukturen beitragen. Diese Auswirkungen sind nicht unbedingt ein Nachhaltigkeitsrisiko mit negativen Auswirkungen auf den Wert der Investition. Denn die die Risikobewertung untersucht, ob und inwiefern die Betroffenen und die Umwelt diesen Einflüssen ausgesetzt sind. Das Konzept der nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkung ähnelt dem Konzept von Risiko gemäss dem OECD Due Diligence Guidance for Responsible Business Conduct. In den Worten der OECD ist die Bewertung „nachteiliger Nachhaltigkeitsauswirkungen […] ein nach aussen gerichteter Risikoansatz“, der sich auf die Bewertung der Wahrscheinlichkeit negativer Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Gesellschaft bezieht – und nicht auf das Risiko für die Investoren oder das Finanzinstitut selbst.

Es ist Zeit zu handeln!

Finanzinstitute müssen ihre Prozesse aufgrund lokaler regulatorischer Vorschriften anpassen, obwohl verschiedene Rechtssysteme unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Zu dieser Komplexität kommt hinzu, dass die Implementierungsfristen oft kurz sind – besonders angesichts der weitreichenden Auswirkungen der neuen Vorschriften auf die
Produkte und Prozesse.

Wir verfügen über einzigartiges Fachwissen bei der Ausarbeitung interner Richtlinien und der Entwicklung von Prozessen im Bereich Sustainable Finance und Corporate Responsibility.

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Service

Regulatorische Implementierung

So unterstützen wir Sie

Did you know?

Zentrale EU-Rechtsrahmen im Bereich Sustainable Finance

Die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegung (Verordnung (EU) 2019/2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor) legt harmonisierte Regeln fest zu:

  • den Erwartungen an Transparenz, an die sich Investoren bei der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken halten müssen;
  • der Abwägung nachteiliger Nachhaltigkeitsauswirkungen in internen Prozessen;
  • den inhaltlichen Anforderungen an nachhaltigkeitsbezogene Informationen über Finanzprodukte.

 

 

Die EU Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen) trägt massgeblich dazu bei, dass die EU bis 2050 klimaneutral werden kann. Sie schafft ein einheitliches Klassifizierungssystem zur Definition ökologisch nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten in Bezug auf:

  • Eindämmung des Klimawandels;
  • Anpassung an den Klimawandel;
  • nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen;
  • Übergang zur Kreislaufwirtschaft;
  • Verhütung und Kontrolle der Umweltverschmutzung;
  • Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme;

Die EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (Richtlinie 2014/95/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen) verpflichtet grosse Unternehmen zur Berichterstattung über nichtfinanzielle und die Diversität betreffende Informationen im Zusammenhang mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen (ESG):

  • Alle EU-Mitgliedsstaaten haben die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt;
  • Als Teil ihres Aktionsplans für nachhaltiges Finanzwesen hat die EU-Kommission Richtlinien zur Berichterstattung über klimarelevante Informationen veröffentlicht, mit dem sie die Offenlegung klimarelevanter Informationen verbessern will;
  • Sie wurde durch die EU-Taxonomie-Verordnung angepasst.

Mit der EU-Klimareferenzwerten und den EU Paris abgestimmten Referenzwerten.

 

 

(Verordnung (EU) 2019/2089 hinsichtlich EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel, hinsichtlich EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel, hinsichtlich auf das Übereinkommen von Paris abgestimmter EU-Referenzwerte sowie hinsichtlich nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen für Referenzwerte) werden zwei Referenzwerte eingeführt, die den Vergleich des Kohlenstoff-Fussabdrucks von Investitionen erleichtern:

  • Klima-Referenzwerte (EU CTB);
  • Auf das Klimaabkommen in Paris abgestimmte Referenzwerte Referenzwerte (EU PAB);

Die Einführung dieser Referenzwerte ist freiwillig. Allerdings entstehen durch die Kennzeichnung von Portfolios als entweder dem EU CTB oder dem EU PAB übereinstimmend sekundäre Offenlegungspflichten.

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